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Ausflüge zum Rande der Stille

Das Zusammenwirken von Trompete, Keyboard, Bass und Schlagzeug gehört zu den Standardformationen des Jazz. Beflügelt von der seit Jahrzehnten aktuellen Kraft dieses Klangkörpers begann das Quartett um den Kölner Trompeter Peter Protschka (Jahrgang 1977) sein Konzert in der Reihe Jazz 'n' Art in der Ausstellung von Skulpturen des Bildhauers Ingo Ronkholz im KunstWerk denn auch mit einer älteren Komposition des Jahrhundertmusikers Herbie Hancock. Der Wechsel von Stücken aus der Jazztradition und eigenen Kompositionen Protschkas war bestimmend für das Programm, in dem Protschkas klarer Trompetensound alle musikalischen Spielarten zwischen leise-lyrischen und dynamisch-energischen Tönen entfaltete.

 

Einmal mehr wurde so vor Ohren geführt, dass der Rückgriff auf die Tradition des Hardbob nicht ausschließt, musikalisch ganz im Hier und Jetzt zu sein. „In den USA spielen die jungen Musiker ganz selbstverständlich die traditionellen Standards in ihren Konzerten, während im europäischen Jazz zu sehr Eigenkompositionen gefordert werden“, meint Protschka dazu, der gerade von einer Reise in die USA zurückgekehrt ist. Auch während seines Musikstudiums in Mannheim hatte er in den von US-Soldaten geprägten Clubs in der Gegend mit vielen US-Musikern zusammengespielt, die ihm mit dem Respekt vor den alten Jazzgrößen zugleich beibrachten, dass zwischen dem eigenen Sound und der Tradition kein gezielter Schnitt verlaufen muss.

Mit Stücken der Trompeter Tom Harrell und Freddie Hubbard machten Protschka und seine Mitstreiter im Konzert ihre akustischen Leitbilder hörbar. Mit eigenen Stücken wie „One for Hub“ oder „Blues for Joe“ zeigten sie wiederum wie persönliche Erfahrungen in Musik umgewandelt werden. Präzise spielte Protschka seine Soli in den Rhythmusteppich seiner Musikerkollegen, mit denen er seit rund vier Jahren eine feste Band bildet. Wie bei einer solchen Formation nicht anders zu erwarten, zeigten sich alle vier als Meister eines Zusammenspiels, das der Individualität allen Raum ließ.

Mal war es Kontrabassist Matthias Nowak, der mit einem Fingertanz den akustischen Boden für die aus der Tiefe des Körpers klingende Trompetenstimme bot. Andere Male leitete die verträumt-tänzerische Leichtigkeit von Sebastian Sternals Fender-Rhodes E-Piano-Spiel zur Poesie der Trompete über. Wunderschön waren auch immer wieder die Dialoge von Bass, E-Piano und Schlagwerk am Rande der Stille, in denen Marcus Rieck das Schlagzeug beinahe streichelte. Dass die Musik des Protschka Quartetts in ihrem Spannungsbogen aus kraftvoller Dynamik und Poesie wiederum ideal zur Ausstellungsumgebung der Skulpturen von Ingo Ronkholz passte, ist nicht zuletzt das Verdienst der Veranstaltungsorganisatoren Norbert Bujtor und Fabian Hochscheid, die mit der Jazz 'n' Art Reihe ein gutes Händchen für das Zusammenführen von Künstlern und Jazzmusikern zeigen.

 www.peterprotschka.de

 

  SON.DE

Halbdunkler Raum und die bewegten Bilder der Videoprojektionen von Daniel Burkhardt, Kerstin Ergenzinger und Tessa Knapp ringsum. Das war die Ausstellungssituation im KunstWerk, in der die Kölner Jazzformation SON.DE in der Reihe Jazz 'n' Art am vergangenen Freitag vor begeistertem Publikum ihren Sound erklingen ließ. Eine Musik, die bei größter Experimentierbereitschaft fest in der langen Tradition des Jazz verwurzelt ist. Und eine Musik, die dabei so eigenwillig ist wie ein musikalisches Konzept nur sein kann, bei dem, getragen von Schlagzeug und Elektrobass, Geige und elektrische Gitarre als Leitinstrumente zusammenkommen. Seit vier Jahren spielen die vier jungen Musiker, die sich während des Studiums an der Musikhohschule Köln kennenlernten , inzwischen zusammen. Und dass sie im Konzert ausnahmslos eigene Stücke boten, liegt vor allem daran, dass außer einigen feststehenden Kompositionsfragmenten bevorzugt die freie Improvisation ihr Spiel beflügelt. Wenn die Geige im Jazz beteiligt ist, entfaltet sie gewöhnlich eine träumerische, leicht melancholische Klangfarbe. So auch im Spiel von Benedikt Hölker, der nicht selten die Stücke auf sanften Schwingen einleitete. Im Fortgang übernahm häufig Doro Bohr mit ihrer E-Gitarre die Führung und trieb den Sound der Band mit dynamischen Solos in unruhigere Stimmungsgefilde hinein. In keinem Moment war zu überhören, wie gleichberechtigt die vier Musiker von SON.DE als eigenwillige Individualisten einen Zusammenklang finden, der oft in unberechenbare freie Assoziationen führte und doch nie seine Einheit verlor. Roman Fuchß E-Bass-Spiel ging mit vibrierender Kraft unter die Haut. Und Kurt Fuhrmann sorgte am Schlagzeug für einen ständigen Frequenzwechsel im Herzschlag der Musiker und ihrer Zuhörer. So tänzelten die Töne ungezwungen durch den Raum wie zu den besten Zeiten psychedelischer Musik, während sich unmerklich aus den diffusen Klangturbulenzen schwebende Geigenläufe oder mitreißende Gitarrenwellen entwickelten. Die junge Formation zeigte: der Jazz-Rock und der experimentelle elektrische Jazz, wie er einst mit Miles Davies oder John Mc'Lauglins Mahavishnu Orchestra begann, lebt. Und die Magie der Geige im Jazz, wie sie seit Joe Venuti und Stephane Grapelli  und später von Didier Lockwood oder Jean Luc Ponty gepflegt wurde, ist ungebrochen. So boten die vier Musiker von SON.DE elektrischen Jazz in seiner aktuellsten Form: spiel- und experimentierfreudig, dynamisch, träumerisch, mitreißend, Kopf und Körper gleichermaßen in Beschlag nehmend. Dass sie mit ihrem Konzept Avantgarde und Tradition gleichermaßen gerecht werden, verbindet sie mit den drei jungen bildenden Künstlern von der Kunsthochschule für Medien Köln, in deren Ausstellung sie spielten. Und diese hatten sich die Band für die Reihe Jazz 'n' Art schließlich selber ausgesucht, was Jazz 'n' Art-Organisator Norbert Bujtor denn auch zu dem Fazit brachte: „Selten haben die bildenden Künstler selber solch ein perfektes Gespür gezeigt, welche Musik zu ihren Arbeiten passt“.